Prolog: Die Weihnachtsfrau

"Weihnachten, du bist anstrengend", stöhnte die Investmentbänkerin Cecilia, als sie mit ihrer Cessna im Schneetreiben auf die Startbahn rollte. Vor einer Stunde noch hatte sie einen Multi-Millionen-Dollar Deal in Frankfurt eingefädelt und dabei auf unanständige Weise einen Riesengewinn eingestrichen. Cecilia war nun mal eine Frau, die beim Geschäft nicht nur über Leichen ging sondern dabei auch noch nach trat. Jetzt musste sie aber schleunigst zu ihrer kleinen Tochter nach Hause fliegen, um Weihnachten zu feiern. Ein Fest, das Cecilia – dank ihrer eigenen verkorksten Kindheit – ähnlich viel Freude bereitete wie eine Darmspiegelung. Dass sie es schon bald von Herzen lieben sollte und dass sie in dieser wundersamen Nacht zu einem selbstlosen Menschen werden würde, ahnte Cecilia in diesem Augenblick noch nicht.

"Tower an Cessna 438", tönte es klar und deutlich aus der Lautsprecheranlage "sämtliche Starts sind ab jetzt verboten. Rollen sie bitte wieder in den Hangar."

"Tut mir leid, ich kann Sie leider nicht verstehen", erwiderte die grinsende Cecilia, die sich noch nie von so etwas albernem wie konkreten Fakten von ihren Vorhaben aufhalten ließ. Dann schaltete sie das Mikro aus und flog los hinein in das dichte Schneegestöber. Die Maschine ruckelte unglaublich, und Cecilia verfluchte die Tatsache, dass sie kurz zuvor noch eine Aal-Suppe gegessen hatte. Noch mehr verfluchte sie aber kurz darauf, dass eine Schneewehe sie erfasste und die Maschine in eine unglaubliche Schieflage brachte. Andere Piloten an ihrer Stelle wären panisch geworden, aber Cecilia erlangte wieder die Kontrolle über die laut röhrende Maschine und flog in einem fast senkrechten Winkel durch die Wolken durch zum Himmel hinauf. Dabei stieß sie mit einem anderen Fluggefährt zusammen. Es war ein Schlitten. Gezogen von Rentieren. Gesteuert vom Weihnachtsmann. Und noch bevor Cecilia "Ach du heiliger Mist" sagen konnte, stürzten Cessna und Schlitten zur Erde ...